Kinder-Influencer

Euer Kind ist immer schon kreativ gewesen – und natürlich mit den neuen Medien groß geworden. Einen eigenen Social Media-Kanal auf Tiktok/Insta/Youtube für die Freunde zu kreieren, schien euch völlig in Ordnung. Schließlich machte das auch Spaß! Der Erfolg kam unerwartet, aber natürlich habt ihr euch alle sehr darüber gefreut. Doch die kleinen Filmchen, die eigentlich nur ein Hobby sein sollten, nehmen plötzlich viel mehr Raum ein im Leben eures Kindes – und nun auch noch Anfragen nach Kooperationen, das ist plötzlich richtig lukrativ! Aber ist es auch legal und gut für euer Kind?

Diese Fragen stellen sich in den letzten Jahren immer mehr Eltern, die ihre Kinder durch die Welt der Social Media und bei der Erstellung eigenen Contents dafür begleiten. Aus kurzen, spaßigen Videos für Tiktok, Youtube und Co. kann schnell ein eigenes Unternehmen werden – wenn das eigene Kind einen Nerv trifft und eine große Followerzahl ansammelt. Sogar einfaches Streamen beim eigenen Computerspielen, wie beispielsweise auf Twitch, kann zu bezahlten Werbe-Kooperationen führen. Kinder wie Eltern stehen dann meist etwas ratlos vor diesen Angeboten, denn Kinderarbeit ist in Deutschland verboten, soviel wissen die meisten.

 Spätestens in der Kooperation mit Unternehmen und dem Auftreten als  junge  Markenbotschafter professionalisiert sich das Hobby und Eltern finden sich im möglichen Interessenskonflikt zwischen Fürsorge- und Aufsichtspflicht, die Karriere als Influencer des Kindes zu unterstützen.

Kinder-Influencer

Gesetzliche Rahmenbedingungen für Kinder-Influencer

Das Jugendarbeitsschutzgesetz und die Kinderschutzverordnung regelt Art und die Umstände der Beschäftigung, die Minderjährige in Deutschland ausüben dürfen. Dabei gelten generell folgende Bestimmungen auch für die Beschäftigung als Social Media-Influencer:

  • Kinder und Jugendliche müssen vor der Ausübung von nach Alter und Reifegrad unangemessenen Arbeiten  geschützt werden. Das Gesetz schützt junge Menschen vor Arbeit, die zu früh beginnt, die zu lange dauert, die zu schwer ist, die sie gefährdet oder die für sie ungeeignet ist.

  • Für  Kinder  unter 14 Jahren gilt generell ein Beschäftigungsverbot. Lediglich in leichte, kindgerechte Beschäftigungen, die in  der  Regel zwei Stunden am Tag nicht überschreiten dürfen, können die Eltern ab einem Alter von 13 Jahren einwilligen (geregelt im Paragraph 6 JArbSchG).

  • Für die Beschäftigungen von Kindern in den Medien, die regelmäßig weniger körperlich anspruchsvoll oder gefährlich ausfallen, gelten gelockerte Maßstäbe. Bereits ab einem Alter des Kindes von drei Jahren kann eine behördliche Bewilligung für Tätigkeiten als Kinderdarsteller bei Musikaufführungen, Werbeveranstaltungen, sowie Rundfunk-, Film- und Fotoaufnahmen, sowie ab sechs Jahren bei längeren Theatervorstellungen beantragt werden.

  • Trotz  der geltenden Ausnahmen sind die Schutzanforderungen für den Einsatz von Kinderdarstellern streng. Die Tätigkeiten sind zeitlich geregelt und neben der Einwilligung der Eltern ist die Bewilligung der für Arbeitsschutz bzw. Gewerbeaufsicht zuständigen  Behörden einzuholen. Im Rahmen des Antrags werden sowohl gesundheitliche Bedenken als  auch Beeinträchtigungen des schulischen Fortkommens geprüft und Informationen zur inhaltlichen Ausrichtung eingeholt.

Doch abgesehen von diesen rechtlichen Rahmenbedingungen, sind die Eltern auch weitergehend bei der Begleitung ihrer Kinder im Umgang mit Social Media gefragt. Natürlich macht es den Kids einen riesigen Spaß, eigene Fotos und Videos zu machen, mit Filtern zu spielen, lustige Clips zu veröffentlichen. Und selbst unter den jüngsten gibt es ab und an schon eine Art Wettbewerb um die meisten Follower, Likes und Klicks. Es liegt hier an den Eltern, die jungen Medienschaffenden etwas zu bremsen und darauf zu achten, dass es nicht zu Überforderung oder Instrumentalisierungen kommt. Spaß und Nutzen gegenüber Risiken und Belastung abzuwägen ist ein wichtiger Punkt bei der Begleitung der Kinder zu einem erwachsenen Umgang mit Social Media.  

Tipps und Tricks für Eltern im sozialen Mediendschungel:

  • Kinder unter 13 Jahren sind in den großen sozialen Netzwerken gemäß der Nutzungsbedingungen als Nutzer*innen nicht zugelassen. Eltern tragen daher die volle Verantwortung für alles, das veröffentlicht und kommuniziert wird.
  • Bevor ein Kind einen eigenen Kanal eröffnet, sollten sich die Eltern eingehend über die Funktionsweise, Zielgruppe und üblichen Inhalte der jeweiligen Social Media-Plattform informieren. Die geposteten Inhalte sollten kindgerecht oder eine entsprechende Einstellung möglich sein.
  • Kinder sollten unterstützt und bei der der altersgerechten Mediennutzung begleitet und die Privat- und Intimsphäre geschützt werden. In der medialen Öffentlichkeit bleibt nicht immer alles privat was privat bleiben sollte, daher muss darauf geachtet werden, das nur angemessene Inhalte veröffentlicht werden.
  • Professionalisiert sich das Hobby, muss darauf geachtet werden, das die rechtlichen Rahmenbedingungen zum Wohle ihres Kindes ein, Unterstützung erhalten Sie bei den Gewerbeaufsichtsämtern

Adressen

Regionalstelle Gewerbeaufsicht Koblenz

STRUKTUR- UND GENEHMIGUNGSDIREKTION NORD
Stresemannstraße 3-5
56068 Koblenz, Telefon 0261 120-2192
www.sgdnord.rlp.de

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